blicke nach innen


Text zur Ausstellung blicke nach innen. Nicäa auf Schloss Bruck in Lienz.

Schloss Bruck präsentiert mit blicke nach innen. Nicäa eine hochkarätige Ausstellung von Werken der zeitgenössischen Kunst, die spirituelle Erfahrungen zum Inhalt haben. Die Schau entfaltet dabei vielfältige Bezüge von der Antike bis zur Gegenwart.
So wird beispielsweise untersucht, wie sich geistige Aspekte versinnbildlichen lassen, sei es ikonographisch oder sprachlich, figurativ oder abstrakt.
Durch die Abfolge der Arbeiten soll außerdem sichtbar gemacht werden, wie eine geistige Gemeinschaft entsteht und wie das Verhältnis des Kollektivs zum Einzelnen ist und umgekehrt.

Dem Bild fällt dabei eine tragende Rolle zu.
Es eröffnet die Möglichkeit, sich auf Spiritualität einzulassen, Transzendenz zu entwickeln und so die Grenze der endlichen Erfahrungswelt zu „übersteigen“. Die Auswahl der Werke berücksichtigt vor allem Arbeiten, die zu einer solchen vertieften Betrachtung anleiten und Wege zur Mystik bahnen. Die Fragen nach dem Heiligen in der Kunst ebenso wie nach dem, was Kunst und Religion gemeinsam haben, bilden den roten Faden der Ausstellung, wobei sich in der Ausstellung auch Bilder finden, die auf das Ereignis des Konzils von Nicäa direkt Bezug nehmen.

Mit der Ausstellung auf Schloss Bruck, der ehemaligen Residenz der Grafen von Görz, wird auch ein Bezug hergestellt zur Europäischen Kulturhauptstadt, die 2025 erstmalig zwei Städte – Nova Gorica und Gorizia – unter einem Motto vereint. Das Konzil von Nicäa, das Kaiser Konstantin im Jahr 325 einberufen hatte und das sich an die Gesamtheit der Gläubigen richtete, fasste als Ergebnis die christlichen Grundaussagen im Credo, dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis, zusammen.

Im Zweiten Konzil von Nicäa im Jahre 787 n. Chr. wurde dann die Bedeutung des sakralen Bildes unterstrichen und damit die grundsätzliche Bildfreundlichkeit der christlichen Religion bestätigt. Kunst und Religion haben beide das Potenzial, die Parallelität von Zeitlichem und Ewigem zum Ausdruck bringen. Beide weisen über das Sichtbare hinaus auf das Immaterielle. Sie wählen offene Wege und bringen ans Licht, was Gesellschaften in ihr Unterbewusstsein verdrängen.

Spirituelle Aspekte in der neueren Kunst sind Botschaften, die Verbundenheit und Hoffnung zum Ausdruck bringen. Der Filmregisseur Andrej Tarkovski notierte einmal: „Ich halte es für meine Pflicht, Nachdenken über das spezifisch Menschliche und das in jedem von uns lebendige Ewige anzustoßen.“ Die Ausstellung versteht sich in diesem Sinne als Wechselgesang zwischen dem Körperlichen und dem Geistigen, als Beschäftigung mit der „Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“, wie Peter Handke eines seiner Gedichte überschreibt.

Die Werke der rund 30 Künstlerinnen und Künstler sind eine geistige Tour de Force in zwölf Etappen. Die Quintessenz der Auswahl findet sich in der Aussage der Zeichnerin Vija Celmis, die einmal über ihr künstlerisches Arbeiten gesagt hat: „Es ist etwas Tiefes, mit einem Material zu arbeiten, das fester ist als Worte, und es geht dabei um einen anderen, rätselhafteren Ort.“

 

Die Ausstellung hofft auf ein Sich-Einlassen der Besucherinnen und Besucher, ein Zusammenwirken von Betrachtendem und Betrachtetem, eine Bewegung hin zur Kunst oder auch hin zu Gott – ganz im Sinne des großen Philosophen, Theologen, Kardinals, Mathematikers und Physikers Nikolaus von Kues, der schreibt: „Soll ich Euch auf menschlich begreifliche Weise zum Göttlichen hinführen, so bedarf es hierzu eines Bildes.“

Die Ausstellung wird am 28. Mai 2025 eröffnet und wird bis Mitte Oktober gezeigt.

Text von Hubert Salden, Mai 2025